Roco BR 93.5 – Digitalisieren und Kontaktprobleme lösen

Ein Freund hat mir eine wirklich schöne BR 93.5 der Firma Roco vermacht. Die Lok war nicht digitalisiert und ich habe mir angewöhnt jede neue Lok erstmal Probe laufen zu lassen, bevor ich sie digitalisiere und auf der Anlage einsetze.

Wenn Ihr im Internet nach Digitalisierungsanleitungen der Roco BR 93.5 sucht, so findet man fast ausschliesslich Anleitungen zu dem früheren Modell von Roco ohne Schnittstelle. Hier beschreibe ich den Umbau für eine 93.5 mit Schnittstelle – incl. Lösung der Kontaktprobleme die diese Lok schon immer irgendwie hatte.

Aber zurück zu meinen Tests:

Erst wenn die Lok im Analogmodus einwandfrei läuft, sollte man einen Decoder einbauen

Nun ja – im Analogmodus lief die Lok nur vorwärts richtig gut – und sie hat sogar eine digitale Schnittstelle nach NEM , die allerdings ziemlich „altertümlich“ daher kam.

Aber zunächst galt es herauszubekommen, warum die Lok rückwärts so schlecht auf dem Testgleis lief. Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten, warum eine Lok in eine Richtung gut läuft und in die andere schlecht. Für alle, die das Problem haben, hier mal eine Liste (ohne Anspruch auf Vollständigkeit, basierend auf meinen bisherigen Erfahrungen und Erlebnissen):

  • Fehlerhafte Kraftübertragung von der Welle auf das Getriebe. Das taucht insbesondere bei älteren Loks der Firma Roco auf, welche statt einer durchgehenden Kardanwelle eine Feder zwischen Welle und Getriebe haben. Diese Feder führt dazu, dass es unterschiedliche Formen von Kraftübertragungen gibt – in solchen Fällen dann am Besten die Feder austauschen.
  • Kohlestifte der Motoren sitzen nicht passgenau auf der Motorwelle. Das kommt gerade bei Loks vor, die wenig gelaufen sind, oder die Welle ein Problem hat. Oftmals hilft es die Lok länger laufen zu lassen – ansonsten hilft nur Motortausch.
  • Fehler in der Konfiguration des Decoders – passiert natürlich nur bei digital angesteuerten Lokomotiven
  • Fehler bei der Stromübertragung. Oftmals findet die Übertragung mittels Blechsstreifen von den Rädern statt. Sind diese falsch gebogen, oder haben die Räder einen Schlag, dann kann es zu unterschiedlicher Stromabnahme führen – abhängig jeweils von der Fahrtrichtung

Das war es aber an meiner 93.5er alles nicht. Also habe ich die Lok mal vollständig auseinandergenommen – incl. der Platine. Vorsicht aber beim Gestänge: Ist das einmal nur um wenige Milimeter verschoben, bekommt ihr es nur noch mit teurem Werkzeug wieder richtig eingesetzt!

Im Bild seht ihr schon den fertigen Umbau – relevant ist das Bild aber, weil man hier sieht, dass man einfach Motor und Getriebabdeckung entfernen kann.

Besonders ist an dieser Lok die Art der Stromübertragung von den Rädern auf die Platine. Ich weiss nicht, welcher Teufel die Firma Roco dabei geritten hat, aber diese Verbindung besteht aus 1mm starken Stahlstiften, welche federnd die Verbindung zwischen Platine und Boden herstellen.

Und genau diese Stahlstifte machten die Probleme – und zwar ausschliesslich an der Vorlaufachse: Fährt die Lok rückwärts, dann wird die Vorlaufachse gezogen. Der Stahlstift ist aber so kurz, dass er dann keine Verbindung mehr bekommt. Im geschobenen Zustand macht sich das nicht bemerkbar, weil entsprechender Druck genau den 1/10mm ausmacht, den eine stabile Verbindung braucht. (Später habe ich dann festgestellt, dass in Kurven die Lok auch vorwärts Probleme gemacht hat – aus genau oben genanntem Grund…).

Die Lösung war relativ einfach: Ein Stahlstift von 1mm Durchmesser selbst herstellen und diesen um nur 2-3/10mm länger als der ursprüngliche Stift.

Hier an den weissen Pfeilen erkennbar:

Das alles wurde gemacht, bevor der Umbau auf Digitaltechnik erfolgte. Danach lief die Lok jedenfalls im analogen Modus wie am Schnürchen in beide Richtungen.

Der Umbau auf Digital ist relativ einfach, wobei ich bei der Lok die Glühbirnchen durch LED getauscht habe. Unter der Platine findet ihr einen relativ langen Schacht1im Bild unten am ersten Blauen Pfeil links erkennbar– die zwei vorhandenen Leitungen kann man mit einer dritten Leitung ergänzen, welche über den Platinenschacht geführt wird. Da ich gerade keine DuoLED zur Hand hatte, wurden es bei mir jeweils eine rote und eine weisse LED. Dazu habe ich Nanolitze (siehe dazu meinen Beitrag zum Umbau der BR 80) verwendet, da sonst der Motor von oben nicht mehr genug Platz hätte. Vorne hab ich keine DuoLED verwendet – sollte aber für einen Bastler auch kein Problem sein.

Wichtig ist nur, dass ihr alle vorhandenen Widerstände etc. vorher auslötet – auch wenn die Lok eine Schnittstelle hat.

Zur NEM Schnittstelle noch ein Punkt: Zwar hat die Lok eine Schnittstelle, aber Roco hat wohl nicht wirklich überlegt, wo man denn den Decoder unterbringen könnte. Den Decoder kann man nämlich leider nur im Führerhaus unterbringen. Leider geht das dann zu Lasten des Durchblicks durch den Führerstand. Mittels Lokführer und Heizer im Führerstand kann man das kaschieren.

Die Platine können wir dagegen für unsere Zwecke gut gebrauchen. Ich habe zunächst die Widerstände für die vordere SMD LED direkt in die Platine eingebaut. Die Widerstände für die hintere weisse LED (weisse Pfeile) wurden über die Platine geführt und nach dem Widerstand von Unten an den NEM Anschluss angelötet (gelbes Kabel):

Die blauen Pfeile zeigen die Leitungsführung der roten LED und der zugehörige Widerstand. An der Stelle des mittleren blauen Pfeils muss man die Platine trennen, da wir U+ sonst durchgehend hätten. Weisse und rote LED liegen nebeneinander (Links im Bild).

Wenn alle LED verkabelt sind, sollte man mit einem Trafo mal ein wenig Spannung auf die Anschlüsse geben (natürlich hinter den Widerständen) um zu sehen, ob die LED funktionieren und auch ausreichend Licht für die Lampen abgeben

Da der Motor über den beiden LEDs rot & weiss zu liegen kommen, habe ich diese noch zum Motor hin mit Gaffertape abgedeckt um ja keinen Kontakt zum Motor zu riskieren.

Der Zusammenbau war dann wieder relativ einfach – wobei auch hier das Testen ohne Gewicht und nur mit Motor und Decoder Pflicht ist bevor man das Gehäuse wieder aufsetzt.

Und weil mich dann selbst auch irgendwie der Teufel geritten hatte – und weil der AUX2 noch nicht belegt war, habe ich dann der Lok noch einen digitalen Entkupplungsmotor spendiert. Der ist allerdings spezielle für Kadee-Kupplungen, also sicher nicht jedermanns Sache (was es damit auf sich hat könnt ihr in diesem Beitrag nachlesen)

Hier sieht man das kleine Motörchen. Die Verbindungskabel konnten durch ein gebohrtes Loch geführt werden, welches über den Lichtleitern für die hinteren Lampen gebohrt wurde. Durch die darüber gelegten (und leicht angepassten) Druckluftbehälter ist im Betrieb nichts von dem Motor zu sehen. Ist schon sehr speziell – funktioniert aber seit vielen, vielen Jahren bei einigen meiner Loks wirklich problemlos. Falls es jemand interessiert: Die Motoren gibt es im Set von Precision Models.

Das Ergebnis der Mühe seht ihr im Eingangsbild – und weil die Lok jetzt wirklich einwandfrei läuft und richtig gut ausschaut, hier noch ein paar Bilder:

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