Auf der Modellbahn will man oftmals einen möglichst realistischen Betrieb machen, aber gerade beim Thema der Beleuchtung unserer Triebfahrzeuge macht es einem die Industrie nicht besonders leicht – wie kann man also eine realistische Lichtfunktion mittels der Steuerungssoftware – in unserem Falle Traincontroller erreichen?
Gerade in den letzten Jahren sind durch die fortschreitende Miniaturisierung im Bereich der Decodertechnik immer mehr zusätzliche Funktionen hinzu gekommen – gerade die Anzahl an Soundfunktionen ist immer mehr gewachsen. Leider gilt das nicht unbedingt für die Möglichkeiten der vorbildorientierten Lichtfunktionen.
Mit der Version 11 von Traincontroller ist es nun wesentlich einfacher geworden, vorbildorientierte Spitzenbeleuchtungen auf der Modellbahnanlage darzustellen. Aber was heisst überhaupt „vorbildgerecht“ . Dazu mal eine Übersicht der Lichtfunktionen der DB in der frühen Epoche IIIa – entnommen aus dem „Bundesgesetztblatt 1021 Nr42 von 1959“, die mir ein befreundeter Modellbahner dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hatte:
- Spitzensignal Zg1 – Vorn am ersten Fahrzeug in Form eines A – wobei bis 1959 auch noch die Version mit 2 Lichtern erlaubt war – das hiess dann Zg 101 und galt bis 1961. Bei geschobenen Zugverbänden sind am Stuerwagen oder am ersten Fahrzeug zwei Lichter in gleicher Höhe erfordderlich
- Falschfahrtsignal Zg2 – hier ist die linke Laterne des Spitzensignals des vordersten Fahrzeugs rot, wenn auf dem falschen Gleis gefahren wird.
- Schlusssignal Zg3 – Am letzten Fahrzeug zwei von vorn weiss (bei luftgebremstenZügen bis 250m kein weiss erforerlich) , von hinten rote Lichter. Wird der Zug gezogen, reicht hinten rot
- Einfaches Schlussignal Zg4 – am Letzten Fahrzeug ein rotes Licht (bei Loks rechts)
- Rangierlicht Fz1: vorn und hinten ein weißes Licht. Alternativ kann auch Zg1 geführt werden.
Und das sind nur die Lichtsignale! Und wer macht das bitte alles noch von Hand! Die folgende Beschreibung realisiert daher folgende Funktionen:
- Über eine Funktion „Licht Zugverband“ wird das Licht so eingeschaltet, dass es für den gesamten Zugverband gültig ist – in Abhängigkeit von den vorhandenen, technischen Funktionen.
- Wenn ein Zugfahrzeug als Sandwich im Zug ist, also im Zugverband weder an der Spitze, noch am Ende, so wird die Front- und Rückbeleuchtung komplett ausgeschaltet. Als Sandwich zählt in diesem Falle auch die 2. Lok einer Doppeltraktion – es sei denn diese ist gleichzeitig auch Schlusslok (also eine doppelte Schublok)
- Ein Zugfahrzeug, bei dem Front und Rücklicht getrennt geschaltet werden kann, schaltet dieses in Abhängigkeit von den angehängten Wagen ein: Sind Wagen hinter der Lok, so wird dieser Teil des Lokführerstands kein Licht zeigen. Auf der anderen Seite (von den Wagen weg) wird das Licht in Abhängigkeit von der Fahrtrichtung rot (geschobener Zugverband) oder weiss (gezogener Zugverband) zeigen.
- Falls vorhanden wird der Zugschluss eingeschaltet bzw. Spitzenbeleuchtung am letzten Wagen falls es sich um einen Wendezug handelt der geschoben wird.
- Die Funktion „Licht Zugverband“ wird in jedem Fahrzeug konfiguriert – also in den Loks und in evtl. vorhandenen Steuerwagen – damit ist es auch möglich bei Wechsel des Fahrzeuges (z.B. Entkupplung) – die Funktion erneut aufzurufen um eine neue Lichtkonfiguration zu erhalten.
- Solo fahrende Loks haben hinten ein einzelnes rotes Licht (falls vorhanden). Andernfalls Licht vorne und hinten in Abhängigkeit der Fahrtrichtung.
- Bis 1970 wurde tagsüber auch ohne Licht gefahren – wobei es auf stark „tunnellastigen“ Strecken auch durchgehenden Fahrbetrieb mit Licht gab. Daher sollte die Beleuchtung von 2 Schaltern abhängig sein: Ein Schalter für den reinen Nachtbetrieb – dann wird immer das Licht auch eingeschaltet. Ein zweiter Schalter, welcher – bei ausgeschaltetem ersten Schalter – auch über Tag die Beleuchtung einschaltet.
- Die Zugfunktionen sollen davon aber unbeeinflusst sein – d.h. es gibt einen Unterschied, ob eine Lokfunktion eingeschaltet wird, oder ob die Funktion über einen Automatismus (z.B. Ausfahrt aus Tunnel) eingeschaltet wird.
Funktionen im Decoder
Um es gleich vorwegzunehmen: In den meisten Fällen werden wir um eine Änderung der Verschaltung im Decoder nicht drumherum kommen, wenn wir eine vorbildorientierte Lichtfunktion umsetzen wollen. Es reicht allerdings, wenn der Decoder selbstständig bei F0 das weisse Licht anhand der Fahrtrichtung ändert und rot ebenfalls mit der Fahrtrichtung.
Problem dabei: Wir benötigen mindestens 4 AUX Anschlüsse im Decoder!
Wer jetzt einen Schreck bekommen hat: Keine Angst – auch wenn ihr nur Licht weiss hinten/vorne habt, könnt ihr ziemlich vorbildnah arbeiten: Die meisten Züge kommen ja mit Wagen einher – und rotes Licht brauchen wir nur bei Loks die ihre Wagen schieben oder alleine unterwegs sind.
Falls ihr aber den Umbau in Erwägung zieht, schaltet die Ausgänge bitte so, dass weiss jeweils von der Fahrtrichtung abhängig mit Funktionstaste Fx geschaltet wird und rot ebenfalls (und unabhängig von weiss) mit der Funktionstaste Fy. Und wer als Goodie die Option eines Rangierlichts haben will bekommt das einfach damit hin, das er eine Funktionstaste Fz mit Licht weiss vorne und hinten dauerhaft eingeschaltet im Decoder konfiguriert.
Umsetzung in Traincontroller
Zum Testen und für die Ersteinrichtung nehmt eine Lok, welche auch das Rücklicht beschaltet hat. Habt Ihr keine solche Lok, so tut einfach als ob die Lok dies Funktion hätte. Ihr könnt als Funktionstaste eine vom Decoder nicht verwendete Taste verwenden (oder F32).
- Zunächst laden wir die folgenden Lichtsymbole in unsere Bibliothek . Wer diese nicht zur Hand hat, kann sie gerne im Downloadbereich herunterladen (siehe Beschreibung @@@):

Licht weiss mit Fahrtrichtung wechselnd

Licht rot mit Fahrtrichtung wechselnd

Licht für den gesamten Zugverband
- Eingangs nehmen wir eine Lok zum Testen und fügen obige Lichtsymbole dort wie folgt ein:
- Licht vorne (Typ Decoder -i n der Regel F0)
- Licht hinten (Typ Decoder)
- Licht gesamter Verband (Typ Liste)
Alle Funktionen sollten als Ein/Ausschalter definiert sein.
- Wir benötigen einige Variablen:
- 831 Vzn Funktion Zugverband aktiv, Typ Objekt Zugverband, Zahl
- 831 Vzz aktueller Zugverband, Typ Zugverband, Gültigkeit Zug
- 831 Vpn aktuelle Position im Zugverband, Typ Zahl, Privat
- Wir erstellen jetzt ein Makro, welches wir später in die Funktion „Licht gesamter Verband“ starten – Bei mir heisst das Makro „831i XM Lokfkt Licht Zugverband automatisch EIN“.

Wichtig: Dieses Makro darf nur 1x innerhalb eines Zugverbandes gestartet werden! Dazu dient die Variable 831 Vzn… Gleich bei Aufruf wird überprüft, ob diese Variable gesetzt ist. Als Absicherung können wir auch in der Bedingung des Makros als Bedingung formulieren, dass diese Variable NULL ist.
Hintergrund: Da unser Makro das Licht für alle Fahrzeuge innerhalb eines Zugverbandes schaltet, würde es zu Problemen kommen, wenn wir beispielsweise die Funktion „Licht Verband aktivieren“ für alle Fahrzeuge (eine Funktion in den Systemroutinen) starten würden.
In dem Makro schalte ich als erstes die Lichtfunktionen für alle Fahrzeuge (!) aus. Damit stellen wir sicher, dass wir einen geregelten Anfangszustand haben. Ich unterscheide hier noch danach, ob eine Lok alleine fährt – also solo unterwegs ist, oder ob es sich um eine Lok mit Wagen handelt. Bei Solo fahrenden Loks schalten wir nämlich das Licht weiss + Licht rot an der Lok ein. Wir können auch dazu die Funktion auf „Alle Fahrzeuge“ anwenden – es gibt schliesslich nur die Lok.
Die Funktion des Ausschaltens sieht dann wie folgt aus:

Das Einschalten dagegen ist der eigentlich wirklich wichtige Punkt – hier wird für Licht rot das Fahrzeug am Schluss des Zugverbandes ausgewählt. Entsprechend für die Zeile danach – Licht J weiss – das Fahrzeug am Anfang des Zugverbandes.

Fügt dieses Makro jetzt in die Lokfunktion für den gesamten Verband ein und testet es. Verschiebt auch mal die Lok im Fenster „Loks und Züge“ von links nach rechts und schaut, ob das Licht richtig geschaltet wird.
Wenn alles wie gewollt funktioniert, schaltet euer Licht nur noch über die Funktion „Licht Verband“

ein!
Fahrtrichtungswechsel
Was jetzt nur ein Problem sein könnte: Wenn die Fahrtrichtung wechselt, dann soll ja auch das Licht wechseln! Ein Beispiel:
Lok zieht den Zug, Licht vorne weiss ist eingeschaltet. Jetzt macht der Zug Kopf am Bahnhof und der Zug wird geschoben. Der Decoder weiss nur, dass jetzt ein Richtungswechsel stattgefunden hat und schaltet Licht hinten weiss. Grober Fehler! Wir müssen also sicherstellen, dass die obige Funktion „Licht Verband“ bei jedem Richtungswechsel mit aktiviert wird. Das wiederum geht in dein Eigenschaften des Fahrzeugs:

Bei mir ist das auch ein Makro – aber in der Regel reicht es, hier einfach die Lokfunktion für den Verband aufzurufen. Dies funktioniert aber nur, wenn ihr nicht im Editiermodus seid.
Steuerwagen und Schlußwagen
Noch ein Wort zu Steuerwagen: Ihr könnt diese genauso behandeln wie eine Lok. Da die Richtungswechsel sich auf den Zugverband beziehen, wird auch am Steuerwagen das Licht gewechselt.
Ein Sonderfall stellen Wagen am Schluss dar, welche nur rotes Licht zeigen können. Und das rote Licht sollte natürlich an der richtigen Seite des Wagens erscheinen. Ein Fahrzeug mit rotem Licht vorne und hinten ist hier ein Problem, da die meist in Wagen verbauten Funktionsdecoder nicht zwischen Vorwärts- und Rückwärtsfahrt unterscheiden können. In diesem Falle macht euch einfach die Tatsache zu nutze, dass die Funktion Licht rot wechselnd bei jedem Richtungswechsel des Zugverbandes aufgerufen wird. Ihr müsst dann Licht rot an diesem Wagen nur eine Operationsliste zuweisen und dem Wagen zwei Funktionen, z.B.
Licht rot vorne – F3
Licht rot hinten – F4
Und Licht rot schaltet dann über die Operationsliste vorne und hinten in Abhängigkeit von der aktuellen Fahrtrichtung

Auch hier schalten wir wieder zuerst alle Rücklichter aus. Wichtig ist aber jetzt die Unterscheidung, ob der Zug gezogen oder geschoben wird! Und das können wir anhand Ausrichtung und Position bestimmen. Die obige Voraussetzung hat folgenden Inhalt:

Bei der Funktion das Licht zu schalten, müssen wir als Fahrzeug mit der Option „Beschreibung“ arbeiten um den hinteren Wagen zu identifizieren. Wichtig hierbei die blaue Markierung, die festlegt, dass die Funktion für nur genau diesen Wagen gilt. Die Beschreibung ist für beide Fälle Licht Q und Licht R identisch.

Nun müssen wir nur noch darauf achten, dass unser Wagen auch richtig herum auf dem Gleis steht, weil es bei Personenwagen manchmal schwierig ist zu erkennen, wo der „vordere“ und wo der „hintere“ Zugteil ist, habe ich mir angewöhnt, im Wagenkasten ein Symbol zu machen damit ich den Zug richtig herum aufs Gleis stelle. Das gleiche Symbol verwende ich in Traincontroller für diesen Wagen.
Das wars – und als Ergebnis habt ihr eine garantiert immer richtige
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